Vorab: Der Gedanke ist nicht medienpädagogischer Art.
Über Jahre begleitet uns – neben den Netzsperren – die Diskussion um die Klarnamenspflicht im Netz. Meist vorgetragen von Konservativen – irgendwann dann auch als schöne Idee aus der Mitte aufgenommen. Es hat ja auch was, wenn man sich nicht hinter Pseudonymen zum Mobbing „verstecken“ kann. Ich schweife ab, auch darum soll’s nicht gehen.
Mein Gedanke in den letzten Tagen war, dass mir viel zu wenig thematisiert wird, welche Strategie hinter der aktuellen Diskussion steht.
Aktuell wird das Thema des Social-Media-Verbots dem öffentlichen Diskurs vorgeworfen und dankbar aufgenommen. Es werden Beispiele genannt, das Für und Wider begründet und Abwägungen getroffen. Versteht mich nicht falsch: Das ist gut und wichtig! Und gehört in den politischen Raum.
Nur: Ich glaube, wir fallen (wieder) auf eine gut abgehangene Strategie rein.
Während wir über den Umgang von Kindern mit Social-Media diskutieren — also über ein Problem, das zwar kontrovers, aber grundsätzlich konsensfähig ist — werden parallel dazu technische Lösungen normalisiert: Die verbindliche und standardisierte (Alters-)Verifikation. Sie erscheint als notwendige Konsequenz und wird nicht in Frage gestellt.
Wenn wir uns – egal bei welchem Alter oder welchen Diensten der Kompromiss am Ende landen wird – dafür entscheiden, Kinder und Jugendliche als „schutzbedürftig“ zu deklarieren, ist klar, worauf das hinausläuft: Die Identifikation im Netz wird zur Voraussetzung von Schutzmaßnahmen. Erstmal nur für das Alter, aber das ist eine politische Frage und – einmal eingeführt – beliebig erweiterbar.
Dass wir uns parallel dazu auf die Schulter klopfen können, dass die „Klarnamenspflicht“ von der CDU nicht beschlossen worden ist, macht es bitter. Darum ging es nicht. Es ging um die technische Grundlager einer solchen. Und die wäre auch mit dem Social-Media Verbot da.
Vielleicht sollten wir weniger über das Verbot selbst sprechen — und mehr über die Infrastruktur, die im Schatten dieser Diskussion entsteht.
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