Das Facebook Abitur?

Schule zieht ihre Legitimation auch und vor allem über die Vergabe der Zertifikate: Mittlere Reife und Abitur „braucht man“. Daher strengen sich SchülerInnen mit Recht an, um optimal durch die Schule zu kommen und einen möglichst guten Abschluss zu erreichen. Denn immerhin lautet das Versprechen: Wer ein gutes Abitur hat, bekommt später auch eine gut bezahlte Arbeit.

Das war alles richtig, wenn man Schule in ihrer Geschichte betrachtet und die Zeit der Industrialisierung als Maßstab zugrunde legt. Nur: Es tut sich aktuell einiges – und alte Glaubenssätze werden auf die Waage gelegt. Und dabei wird deutlich, dass das alles nicht mehr so einfach sein wird, wie man es über Generationen gewohnt war.

Es gibt heute kaum einen Ausbildungsplatz, bei dem nicht ein Assessment vorgeschaltet ist, und immer mehr Universitäten machen Eingangsprüfungen. Warum? Offenbar traut man dem schulischen Zertifikat alleine nicht mehr. Und vielleicht sogar zu recht. Es zählt doch mehr der persönliche Eindruck oder die Kompetenzen, die ein Mensch einbringen kann, als eine gute Note in einem Abitur, das vor allem mit Stift und Papier in Einzelarbeit erworben worden ist. Was sagt das schon über Kreativität und Teamgeist einer Person aus?

Vor ein paar Wochen habe ich auch mit Guido darüber im Podcast gesprochen. Kontext damals: „Die Tesla-isierung des Bildungssystems“ (kann hier nachgehört werden). Mein Fazit war, dass in dem Moment, wo die allgemeine Schulpflicht bröckelt, das Abitur mit möglichen anderen, schul-externen Zertifikaten in Konkurrenz steht, die von Unternehmen mit großer Marktmacht angeboten werden können: Microsoft, Google oder Amazon. (Dass externe Tests – wenngleich nicht von den genannten Unternehmen – auch heute schon eine Relevanz haben, sieht man zum Beispiel am TOEFL-Test, der oft eine Voraussetzung von englischsprachigen Kursen an Universitäten ist. Mit Glück hat man ihn parallel zur Schule erworben – sonst muss man nach der Schule Extraschichten fahren).

Johnny Häusler von Spreeblick hat einen wunderbaren Einwurf über die Situation des Bildungssystems verfasst:
Digitale Bildungspolitik: Der Staat kommt seinen Aufgaben nicht nach„.

Ihr habt Angst vor Werbung? Ha. Ha. Ha.

Werbung ist das, was eure Kinder täglich zweihundertmal auf YouTube oder in kostenlosen Games wegklicken und bei den Google-Suchergebnissen überspringen. Werbung. Pah.

Was Google, Facebook, Apple und sogar Netflix und wie sie alle heißen tatsächlich tun werden, ist keine Werbung. Sondern Bildung nach ihrer Fasson. Sie werden eigene Schulen bauen, mit eigenen Lehrplänen, eigener Software und eigenen Zielen. Und Eltern, die sich darum sorgen, dass ihr Nachwuchs den Anschluss an die echte Welt verliert und zu Beamten statt zu kreativen Köpfen erzogen wird, werden mit ihren Kindern in Scharen dorthin rennen. Wenn sie es sich leisten können.

Darin unter anderem auch der Link zu den Überlegungen von Facebook, wie eine Schule aussehen könnte: Inside Facebook´s plan to build a better school„.
(Auch Apple ist dabei – über das Engagement von Laura Powell Jobs und der Steve Jobs Schulen – zum Beispiel in den Niederlanden).

Wenn diese Konkurrenz einmal geöffnet ist, sieht es schlecht aus mit einem chronisch unterfinanzierten Bildungssystem der öffentlichen Hand. Und das ist nicht nur schade, sondern kann gefährlich werden. Weil „Schule“ in ihrer gesellschaftlich-kulturellen Funktion nicht nur Zertifikate verteilt, sondern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich macht – über Klassen und Schichten hinweg.

Daher müssen wir uns die Fragen stellen: Welche Funktion hat Schule in einer Gesellschaft unter den Bedingungen der Digitalität? Was wollen wir mit ihr? Wollen wir „Schule“ noch? Und wenn ja: wie? Und vor allem: Was sind wir bereit dafür zu zahlen?

Es ist kein Experiment, das hier vorbereitet wird. Wenn wir uns als Gesellschaft und das System „Schule“ im Speziellen sich nicht vorbereiten, droht Gefahr, dass „Schule“ überrollt wird.

Unsere „Schule“ ist kein Naturgesetz. Sie ist eine gesellschaftliche Errungenschaft und in ihrer allgemeinen Verfügbarkeit in den westlichen Ländern vielleicht 150 Jahre alt. Nichts spricht dagegen, dass sie auch in dieser allgemeinen Form wieder verschwinden könnte, um elitären Formen von Bildung Platz zu machen. (Und ob OER da alleine etwas gegen halten kann? Mhh.)

Ich weiss nicht, ob wir es nicht bereuen würden.

„Schools of Trust“

Lisa Rosa hat was getwittert:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://twitter.com/lisarosa/status/891238979806408704

„Schule und das Lernen in der digitalen Welt“

Lisa Rosa war zu Gast bei Tim Pritlove im Podcast „Forschergeist“ und hat mit ihm über alte und neue Schule, Projektunterricht und Revolutionen gesprochen.

Auf jeden Fall ein empfehlenswerter Podcast. Sollte man sich angehört haben – sowohl als Einstieg wie auch später. Tut immer wieder mal gut, Lisas Überlegungen um die Ohren gehauen zu bekommen. 😉

Zum Podcast:

https://forschergeist.de/podcast/fg043-schule-und-lernen-in-der-digitalen-welt/

Unterricht 2015

In Kurzfassung am Beispiel einer Stunde im Fach „Projekt“ in der 6c.

Unterrichtsvorbereitung in Evernote: Ausgehend von den letzten Stunde (Wie entsteht „Wetter“?, Wettermessung) wollten wir für die Regenmesser aus Plastikflaschen eine Vorlage erstellen, um die Daten zu sammeln. Leider hat keiner Lust gehabt, den Messbecher für den Sonnenstand zu bauen…

Vorbereitung:

iPad Koffer + Beamer reservieren (=im digitalen Kalender im Lehrerzimmer eingetragen).

Unterricht

Beamer mit AppleTV und iPad Koffer aus dem Medienraum der Etage abholen und in die Klasse bringen.
iPad Koffer vorne hinstellen, öffnen. Beamer wird von einer Schülerin aufgebaut. Sie braucht noch ein Verlängerungskabel – ok, zum Glück liegt eins im Schrank.

Die Schüler stellen kurz den Kontext des Unterrichts her (was haben wir gemacht, was brauchen wir noch?). Danach sammeln wir an der Tafel Kategorien für die Datentabelle (und wiederholen kurz die Begriffe „Spalten“ und „Zeilen“ aus dem Mathe-Unterricht Klasse 5).

Anschließend zeige ich über den Beamer von meinem iPad aus, wie man eine Tabelle anlegen kann. Grundsätzliche Bedienelemente von Numbers kennen die Kinder, da sie Pages und Keynote bereits im „Medien“ Unterricht eingesetzt haben (für Numbers bleibt leider keine Zeit mehr).

Das ganze dauert bis hierhin keine 10 Minuten. Danach nehmen sich die Kinder ihre iPads und legen los. Keine weiteren Instruktionen mehr von mir, ab jetzt hilft man sich gegenseitig und „macht“ einfach.

Nach ~20 Minuten werden die meisten fertig. Ich gebe Feedback zu Formatierung und Gestaltung und man begibt sich an den Feinschliff.

Nach 30 Minuten finden wir ein vorläufiges Ende und alle Schüler_innen, die wollen, präsentieren kurz ihre Tabellen. Wir sehen 6 verschiedene Tabellen mit unterschiedlichen Gestaltungselementen. Das ganze passiert über WLAN auf den Beamer via AppleTV.

In den letzten 5 Minuten exportieren die Kinder ihre Daten auf den WebDAV Server der Schule. WebDAV ist als Begriff für alle klar („irgendwas mit Datenspeicher“), Adresse und Zugangsdaten sind allen bekannt. Geht routiniert ohne Probleme.

Die beiden Medienbeauftragten der Klasse achten jetzt auf die Rückgabe der iPads in den Koffer (alle vernünftig angeschlossen?). Der Schüler, der alles weggeräumt und das Thema der Stunde in sein Logbuch geschrieben hat, baut schonmal den Beamer ab.

Nachbereitung

Ich bringe Koffer und Beamer zurück in den Medienraum. (In Zukunft wird das wohl ein Medien-Dienst übernehmen, aber das ist eine andere Geschichte).

Für die nächste Stunde drucke ich die Tabellen der Schüler aus, damit sie sie mit nach Hause nehmen können. Die Regenmessung findet analog statt.

Mac OS X Server für die iPad Verwaltung in Schule [BETA]

Zusammen mit einem guten Kollegen bereite ich aktuell eine kleine Anleitung vor, wie man in überschaubaren Schritten einen Mac Mini mit Mac OS X Server ausstattet um anschließend das MDM mit dem Profile Manager einzurichten um anschließend mit dem Apple Configurator 2 die iPads vorzubereiten, damit diese verwaltet werden können.

Kurz: Wie man in Schule die iPads einrichten kann.

Das Ganze ist noch work-in-progress. Aber wer schonmal reinschauen möchte, darf das gerne.

Einrichtung eines Mac Mini mit Mac OS X Server

Einrichtung des Apple Configurator 2

Achso: Ich freue mich über Feedback! 🙂