Ich bin Lehrbeauftratger an einer Uni und in dieser Funktion erhalte ich auch einige Mails von Studierenden. Viele (nicht alle!) fangen mit Floskeln an, die sich erst in den letzten 2-3 Jahren eingeschlichen haben, klar durch KI unterstützt, und die einfach vom Gefühl her unpassend sind…
Hier ein paar Anfänge, die mehrfach so gekommen sind:
Sehr geehrter Herr Schaumburg, ich hoffe, es geht Ihnen gut.
Sehr geehrter Herr Schaumburg, ich hoffe es geht Ihnen gut und Sie haben nicht allzu viel Stress.
Sehr geehrter Herr Schaumburg, ich hoffe, diese Nachricht erreicht Sie wohlbehalten.
Sehr geehrter Herr Schaumburg, ich möchte höflich anfragen, ob … (mehrere Mails mit exakt diesem Anfang)
Liebe Mitmenschen… Lasst uns doch unsere Eigenheiten wahren und schreiben, wie es uns durch den Kopf geht. Kurz, knapp, klar.
Eigentlich kenne ich es von macOS so: command-w → Fenster schließen. command-0 (0=null) → Hauptfenster öffnen.
Leider geht das mit Obsidian so nicht, weil es eine Electron App ist und damit eigenen Regeln gehorcht. Das nervt im alltäglichen Workflow gelegentlich – aber es gibt eine Lösung.
1. Plugin installieren
Obsidian muss angewöhnt werden, dass es nach dem letzten Tab mit cmd-w das Programmfenster schließt. Das tun wir mit dem Plugin: „No Empty Windows“.
2. Kurzbefehl anlegen
Danach müssen wir einen Kurzbefehl anlegen (Shortcut.app) mit folgendem Inhalt:
Für diesen Kurzbefehl wird kein Tastaturkürzel o.ä. definiert. Einzig das „Dienste-Menü“ muss aktiviert werden.
3. Tastaturkurzbefehl definieren
Nun noch in die Systemeinstellungen → Tastatur → Tastaturkurzbefehle→ App Kurzbefehle gehen und für die App „Obsidian“ einen Kurzbefehl definieren, der wie der Kurzbefehl heißt, den wir soeben definiert haben. Das ist wichtig, weil mit dem hier definierten Kurzbefehl der Menueintrag ausgewählt wird, der genau so heisst. In meinem Fall heißt der Kurzbefehl „Notizen“ – ebenso wie der Vault.
Danach verhält sich Obsidian, wie ich es gewohnt bin:
command-w → das Fenster wird geschlossen und ich kann irgendwas anderes arbeiten. Wenn ich mit command-tab wieder zu Obsidian zurückwechsle, kann ich mit command-0 (0=null) das Hauptfenster öffnen und wieder loslegen.
Ziel: Apple Notes mit Obsidian ersetzen. Das hab ich schon lange vor, aber Apple Notes ist halt einfach praktisch, solide und sieht „nett“ aus. Nur: Es ist ein Silo. Es wurde zwar durch die Option des Markdown Exportes etwas offener, am Ende bin ich aber immer wieder in Probleme gerannt, die im Konzept verankert liegen.
Ich hänge gerne an meine Notizen Dateien an. Nicht nur PDFs, sondern auch verschiedene Office-Formate. Und die ließen sich in Notes nie wirklich bearbeiten, weil Änderungen, die außerhalb der App gemacht wurden, nicht erkannt werden. Dadurch gehen dann Änderungen verloren bzw. es werden mehrere Versionen der gleichen Datei an verschiedenen Orten abgespeichert.
Und weil in der letzten Woche gleich zweimal Obsidian über den Weg gelaufen ist als „Produkt der Wahl“, hab ich den Di.day genutzt, und bin es angegangen.
Die Umstellung läuft bisher auch ganz erfolgreich. Aber: Es ist auch mühsam, seine Notizen umzuziehen. Zwar hatte ich über die Weihnachtsfeiertage die Notizen schon aufgeräumt und in etwa halbiert, aber fast 700 Notizen waren es am Ende schon noch. Die meisten Notizen geht automatisch durch, aber bei vielen – vor allen denen, die wirklich wichtig sind und für aktuelle Projekte stehen – musste doch nochmal händisch nachjustiert werden. Immerhin soll das System ab morgen „produktiv“ sein.
Ich fahre nicht parallel. Bis auf ein paar geteilte Notizen ist die Notizen.app geleert.
Ein paar Hinweise:
Weil Obsidian mit Dateien und Verzeichnissen arbeitet, lässt sich prima PDFsqueezer oder JPEGmini auf die Dateien anwenden. Weil in Notes alles in einem Silo steckte, klappte das dort nicht. Hinzu kommt, dass Notes für jedes PDF einige (!) Vorschau Dateien angelegt hat. Obsidian ist deutlich schlanker und flexibler. Von fast 4 GB bin ich nun auf deutlich unter 1 GB gekommen.
Nicht alle Erweiterungen in Obsidian muss man auch nutzen oder aktiviert lassen. Auf diese Weise erscheint die Oberfläche dann weniger komplex und „nerdig“. Vor allem die „Graph“ Ansicht empfang ich in früheren Versuchen immer als störend – bis ich entdeckt hab, dass sie sich einfach ausschalten lässt. 🤦🏻♂️
Mit der Kurzbefehl Sammlung von Carlo Zottmann „Actions for Obsidian“ lässt sich dann auch fix ein Kurzbefehl basteln, der per Tastenkombination aus dem ausgewählten Text der aktuellen Notiz eine Erinnerung in der Reminders.app erstellt. Damit ist mein persönlicher Workflow gesichert.