Kritik an der KI wird oft verglichen mit den Maschinenstürmern, den Ludditen. Auch mir ist das schon untergekommen – und man reflektiert sich in seiner eigenen Argumentation auch und fragt sich: Bin ich jetzt einfach in dem Alter, wo alles neue „unnatürlich“ ist?
Douglas Adams:
Alles, was bei der Geburt existiert, wird als normal und selbstverständlich angesehen.
Technologien, die zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr entstehen, gelten als aufregend und revolutionär.
Alles, was nach dem 35. Lebensjahr erfunden wird, wird als unnatürlich empfunden.
Danach würde das sehr gut passen… 🙂 [Wer hatte in den letzten Tagen das Zitat auch in seinem Blog? Ich finde es nicht mehr, würde gerne verlinken.] Aber: Ein kulturhistorischer Vergleich muss ja nicht immer absolut passend sein…Und was wäre, wenn die Qualität dessen, was KI heute ist, wirklich eine andere ist als die mechanisierten Webstühle des frühen 19. Jahrhunderts.
Dazu hat Christian Stöcker heute einen Beitrag geschrieben, über den ich mich gefreut habe. Auch er beobachtet diese Entwicklung an sich und fragt sich: „Ist das beim Thema KI tatsächlich anders, oder bin ich einfach nur alt geworden?“ Er kommt zu dem Schluss:
„Was wir gerade erleben, ist etwas qualitativ anderes als der Einzug von Taschenrechnern, Navigationssystemen, Google oder der Wikipedia in unseren Alltag. All das sind Werkzeuge, und auch KI ist eines. Die anderen Werkzeuge erzeugen aber keinen Output, den Menschen hinterher als ihre eigene Leistung ausgeben (von heimlicher Taschenrechnerbenutzung in der Schule vielleicht abgesehen).“
Im Weiteren geht er auch auf uns Menschen als „kognitiven Geizkragen“ ein – aber ich finde den hier genannten Gedanken von ihm spannend: KI als etwas, das uns a) das Denken abnimmt, das wir aber b) am Ende als Produkt unser eigene Gedanken ausgeben (weil es sonst nicht relevant wäre). Das ist zumindest ein Unterscheidungsmerkmal zu den Webstühlen, wo das automatisiertere Produkt am Ende über den Preis gewonnen hat – weil für die Verwendung eigentlich egal war, ob es in einer Manufaktur oder einem Industriebetrieb hergestellt worden ist.
Sein Artikel bei SpOn und als Hintergrund-Thread bei Mastodon: https://mastodon.social/@chrisstoecker/116787951639384205.
(Das Fundament dessen, was ich „zu Hause“ nenne, wurde lange vor der Einführung der Elektrizität gebaut. Es steht heute noch. Vielleicht ist die Langsamkeit (siehe letzte Beiträge) und Ruhe, die Einfachheit doch nachhaltiger als wir glauben?)
Und wo wir schon bei Lese-Empfehlungen sind. Die TAZ vom Wochenende hat einen Beitrag von Malte Engeler über das Zusammenspiel von Aufklärung und KI. Sehr lesenswert! Darin:
„KI ist fundamental unvereinbar mit emanzipierten, egalitären und freiheitlichen Gesellschaften. […] KI ist keine Zukunftstechnologie und keine Innovation […]. Sie ist inhärent konservativ und homogenisierend und damit nicht etwa ein Maßstab für fortschrittliche Gesellschaften, sondern eine Zementierung des Status quo.“
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