Förderprogramme in Bund und Land: Eine Chance

Aktuell sprießen – sicherlich nicht zuletzt aufgrund der anstehenden Wahlen – die Förderprogramme für Schulen nur so aus dem Boden. Große Programme wären zum Beispiel:

  • Gute Schule 2020 der Landesregierung NRW:
    → 2 Mrd. Euro für „Infrastruktur“ an Schulen bis 2020
  • Digitalpakt#D des Bundes:
    → Frau Wanka kündigt an, in den nächsten 5 Jahren 5 Mrd. Euro für „WLAN und Computer“ bereitstellen zu wollen (am Kooperationsverbot vorbei).
  • Breitbandinitiative der Bundesregierung
    → Ausbau von Breitband (Glasfaser) vornehmlich in Industriegebieten – aber auch unter Berücksichtigung von Schulen; flankiert von einer kooperierenden Förderung des Landes NRW.

Und aus der Lehrerschaft und assoziierten Berufen gibt es auch erste Kommentare: „Die Kinder spielen schon genug an den Handys. Wir haben andere Probleme.“ – „Vergesst die Fortbildungen nicht!“ – „An der Lenrkultur ändert sich so doch eh nichts“ – „Oh super! – Wir wollen für unsere Schulen SmartBoards/iPads/XYZ anschaffen“.

Wahrlich erstaunt hat mich die Aussage von Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: „Besser wäre es, das Geld in die Schulbibliotheken zu stecken“ […] “Gerade sozial schwache Schüler müssen lesen, lesen, lesen – und zwar das gedruckte Wort.“ (Quelle: SpOn & mobilegeeks.de). Das meint der doch nicht ernst, oder?

Ein anderer gern gezogener Vergleich ist der von maroden Toiletten, undichten Dächern und tristen Schulhöfen gegen Internetversorgung und Medienausstattung. Brauchen wir nicht erstmal funktionierende Gebäude, bevor wir uns um so Luxus-Zeug wir Internet kümmern? (Lenkt doch eh nur vom richtigen Lernen ab, oder Herr Kraus?)

Keine Frage, es gibt Nachholbedarf. Ja. Hier stehen die Schulträger auch in ihrer Pflicht – und freuen sich über finanzielle Unterstützung, da die klammen Kassen der Kommunen oft nur das Nötigste zulassen.

Aber Toiletten und Glasfaser gegeneinander aufzurechnen, ist nicht gut. Im Falle des DigitalPakt#D ist es sogar inhaltlich daneben:

Wir haben ein Kooperationsverbot in der Bildungspolitik, das dem Bund untersagt, finanzielle oder inhaltliche Vorgaben für die Bildungspolitik der Länder zu machen. Offenbar möchte der Bund mit der von Wanka vorgestellten Initiative eine Lücke nutzen, und mit den 5 Mrd. Euro gezielt technische Ausstattung an den Schulen fördern: WLAN und Computer. Im Gegenzug sollen die Schulen passende Schulprogramme und Medienkonzepte vorlegen. Ich finde, dagegen ist nichts einzuwenden. Die Renovierung von Toiletten oder der Bau von Mensen kann vom Bund nicht gefördert werden. Daher kann man das fehlende Engagement an dieser Stelle auch nicht kritisieren. Entweder technische Ausstattung oder kein Geld.

Etwas anders sieht es in NRW aus. Hier wird mit dem Gesetzesentwurf zum Programm „Gute Schule 2020“ die „Infrastruktur“ an Schulen gefördert – und dabei wohl ganz bewusst offen gelassen, was genau Infrastruktur ist und wie sich die Mittel verteilen. Es ist nur deutlich, dass die gesamte „Lern-Infrastruktur“ gemeint ist, also Räumlichkeiten UND Medien (an einer Stelle auch explizit Breitband & Glasfaser). Hier liegt es also in der Verantwortung der Kommunen, das Geld a) abzurufen und b) so zu verteilen, dass neben anstehenden/nötigen Bauprojekten auch die Anbindung der Schulen angegangen wird. Toiletten und Dächer haben ohne Zweifel eine hohe Wichtigkeit, allerdings darf die digitale Infrastruktur nicht hinten runter fallen. Ihre Wichtigkeit steigt mit der Zeit und wird bald ein entscheidendes Standort-Kriterium (wenn es das global nicht schon ist).

Ach… Ich bin die Klagen und Bedenken leid.

Endlich tut sich mal was nach langen Jahren der Forderungen, die Infrastruktur an Schulen anzugehen. Endlich wird Geld in die Hand genommen. Endlich ergeben sich die Perspektiven, Schulen entsprechend ihrer anspruchsvollen Aufgabe an die digitale Gesellschaft anzuschließen. 

Lasst uns dies bitte nicht in Bedenken ertränken, sondern nutzen. Ich würde mir wünschen, in 5 Jahren keine Schule mehr besuchen zu müssen, die über einen 16k-DSL-T@school Leitung im Internet „surft“… Schulen brauchen zukünftig Glasfaser. Punkt. Und mit den Förderprogrammen haben wir dafür eine realistische Perspektive; wenn wir es richtig nutzen.


Nebenbei:
Der DigitalPakt#D ist bisher eine reine Absichtsbekundung, die in der nächsten Legislaturperiode angegangen werden könnte… Also ziemlich offen. 
Das Programm Gute Schule 2020 ist auch noch nicht beschlossen, sondern liegt als Gesetzentwurf vor. Hier sieht es allerdings so aus, als wenn die Umsetzung nur noch eine Frage der Zeit ist.

6 Gedanken zu „Förderprogramme in Bund und Land: Eine Chance“

  1. Bin ganz deiner Meinung: wir sollten konstruktiv die Gelegenheit beim Schopf packen und das Beste heraus holen. Vor allem müssen wir in den eigenen Schulen die nötige Akzeptanz bei den Kollegien schaffen. Ich selbst habe in den letzten Wochen erlebt, dass Kolleginnen lieber die 181. Kopiervorlagen-Mappe anstatt eines iPad für die sonderpädagogische Förderung anschaffen wollten, welche dann im Schrank verstaubt (wir haben schränkeweise Vorlagen!).

  2. Du hast eigentlich völlig recht, aber es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass der Ansatz von Frau Wanka in eine andere Richtung zeigt… Besonders die angedachte Cloudlösung ist ein programmierter Geldverbrenner, der den Status quo betoniert. Wenn die schulische Infrastruktur dann noch von externen, schulfernen Dienstleistern betrieben wird, hat man viele pädagogische Nutzungsmöglichkeiten endgültig verspielt. Das kann man überall beobachten, wo dieses Modell gefahren wird. Die Internetnutzung funktioniert dann zwar stabil und ohne dass sich die Schule darum kümmern muss, aber alle weiteren Nutzungsmöglichkeiten sind zubetoniert (Rigide Filter, keine direkte Einflussnahme, keine Auswahl der Software etc.). Und dank des bestehenden Rahmenvertrags dürfen sich dann alle Schulen mit Windows und Office rumschlagen und hier weiterhin Produktschulungen anbieten.

    WLAN und Glasfaser wären der richtige Weg, werden aber wohl zugunsten von medientauglicheren Buzzwords vernachlässigt werden oder so umgesetzt, wie man es nicht haben will. Vergleiche dazu die aktuelle Umsetzung an den ZfsLen in NRW, dort werden bestehende, funktionierende Konzepte (Freifunk) eingestampft und durch die schlampige Installation von Dienstleistern ersetzt, die damit landesweit beauftragt wurden.

    Kurz: Ich hoffe, dass ich falsch liege, sehe hier aber nicht den großen Aufbruch, sondern ein sinnloses Geldverbrennen ohne klares Ziel, weil die Beteiligten selbst nicht viel mehr Einbringen als aktuelle Buzzwords.

    Zitat Netzpolitik: „Lässt es doch darauf schließen, dass Wanka selbst von der digital geprägten Lebenswelt junger Menschen und dem Potenzial von spielerischen Elementen für die digitale Bildung wenig Kenntnis hat.“

    1. Hallo NN,

      klar, so kann es auch kommen: zentrale, externe Dienstleister, die die Möglichkeiten der Schulen zubauen und die Luft nehmen, Experimente zu machen und Dinge zu entdecken. Auch wenn es nach außen erstmal attraktiv erscheint, wenn jeglicher Support der Schulen von „Extern“ geleistet wird, so birgt das auch Gefahren. Und ich sehe in vielen Gesprächen, dass diese Gefahr durchaus im Bewusstsein der Leute ankommen. Man sieht das nicht nur positiv, sondern erkennt auch die negativen Seiten.

      Wir im Tal haben da ja einen eigenen Weg – der auch im Medienentwicklungsplan festgeschrieben ist: Schulen sollen – im Rahmen der Möglichkeiten – Expertisen entwickeln können und eigene Wege gehen. An einigen Schule wird das ja hinsichtlich der Medienausstattung auch schon gemacht. (:))

      Wanka und ihre Absichten sind noch weit entfernt. Und ob das Geld am Ende wirklich vor allem für standardisierte Lernplattformen ausgegeben wird (→ https://damianduchamps.wordpress.com/)? Ich glaube nicht.

      Und das Programm GS2020 können wir auf lokaler Ebene aktiv mitgestalten. Zumindest sollten wir das versuchen.

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